BEGINN / BESCHREIBUNG

06. Dezember 2020, 17:00

Dauer: ca. 2 Stunden, eine Pause

ABONNEMENT

Keine Abonnements verfügbar.

PREISE

  • Vollpreis: € 21,00
  • Ö1 Club-Mitglieder: € 16,80
  • SchülerInnen, StudentInnen, PensionistInnen, Grundwehr- und Zivildiener, AKNOE- und ÖGB-Mitglieder: € 16,80
  • Behinderte, Arbeitslose: € 16,80
  • Karten kaufen

WEITERE TERMINE

Keine weiteren Termine verfügbar.

Literatur / Lesung

Die stille Zeit

Geschichten und Gedanken nicht nur zur Weihnachtszeit

Erika Pluhar 1
Erika Pluhar 2
Erika Pluhar 5

Wenn alljährlich der Weihnachtsrummel ausbricht, oft schon Ende Oktober, wenn die Santa Cläuse, Lichterbäume und Tschingelbells, der merkantile Irrsinn dieser zynischen Marketing-Orgie einen wehrlos überfällt, dann flüchte ich in eine innere Weihnachts-Emigration. Für mich bitte kein Weihnachten, sage ich dann, meide Einkaufsstraßen, denke an kein einziges Weihnachtsgeschenk für irgendjemanden, und lebe mittlerweile gekonnt an diesem angeblichen Muß vorbei. Während Menschen rundum hektisch und überlastet durch die Wochen vor dem Weihnachtsfest rasen, klinke ich mich einfach aus. Um dann, am „heiligen Abend“ in Muße ein Fest zu begehen. Meine Liebsten um mich, kleine Gaben, die zu besorgen keines Aufwandes bedurfte, gemeinsam speisen und trinken, durchaus Tannengrün, Kerzenschein und Weihnachtslieder, aber vor allem eben das Fest Weih-Nacht. Der Stille, Nachdenklichkeit, dem friedvollen Herzen und der Liebe zueinander geweiht. Wenn dies sich nicht fügt, dann weg mit dem ganzen Zirkus. Mit der angeblichen Verpflichtung, partout Geschenke zu tauschen, will ich nichts zu tun haben, wohl wissend, daß dahinter maßgeblich kommerzielle Interessen stehen, die uns herumjagen, um das, nomen est omen, „Weihnachtsgeschäft“ zu beleben. Ich ermuntere, wo ich kann, zum Widerstand. Und beobachte mehr und mehr Menschen, die sich nicht länger in dieser Weise antreiben lassen wollen, um wie die Lemminge in den Abgrund einer erschöpfenden, schlechtgelaunten, von Kauf und Verkauf bestimmten Weihnachtszeit stürzen.           

Deshalb hier „die stille Zeit“: Texte auf der Suche nach dem, was wir Menschen nötig haben und uns immer wieder rauben lassen – und auch das nicht nur zur Weihnachtszeit: das Anhalten, die Muße, Genießen ohne Aufwand zu treiben, die eigene Freude am Leben ohne freizeitgestalterischer Animation, Wohlergehen ohne Wellness, das Wahrnehmen von Stille, ohne ins Lärmen zu flüchten, dem Heiligen Raum geben, ohne es banal zu verzuckern, die Weihe annehmen, ohne sentimentalisch Witze zu reißen, das Gefühl bejahen, ohne den Verstand zu verlieren.

 

Erika Pluhar 

 

 

Ab meinem 40. Lebensjahr hab ich begonnen zu schreiben, und ab meinem 60. Lebensjahr hab ich aufgehört, Schauspielerin zu sein. Und jetzt bin ich 80, gleich, bald, und bin nur noch Schriftstellerin.

- Erika Pluhar, MDR Kultur -


Von und mit Erika Pluhar

www.erikapluhar.net